Gemeinnütziges

Mein Name ist Katharina von Eitzen.
Als frischgebackene Abiturientin absolviere ich ab September einen 6-monatigen Freiwilligendienst in Ghana.

Dort werde ich in Kasoa (nahe der Hauptstadt Accra) an der Maranatha Preparatory School als Grundschullehrerin Kunst, Musik und eventuell Englisch unterrichten.
Auch Kampagnen zur HIV/AIDS-Aufklärung und Projekte gegen Kinderarbeit sind Bestandteile meiner Arbeit vor Ort.

Die Giebelsee-Apotheke ist ein Betrieb meines Förderkreises und unterstützt mich und mein ghanaisches Projekt finanziell.
Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Meda ase!
(Das bedeutet „Dankeschön!“ auf Twi, einer der Sprachen, welche in Ghana gesprochen werden.)

Ihre Katharina

Liebe Förderer, Freunde und Ghana-Interessierte!

Ich bin so glücklich, jetzt hier zu sein!

Während des Fluges ging es mir eher schlecht: Die Abschiede, ein wenig Flugangst und dann das Umsteigen in Lissabon.
Erst als der Pilot durchsagte, dass wir uns nun über Ghana befänden war ich wirklich euphorisch und konnte es kaum erwarten, endlich zu landen.
Ghana nachts aus der Luft betrachtet ist ... dunkel. Zwar haben viele Gegenden Anschluss an das Stromnetz, dennoch ist es nicht wie in Deutschland überall zugängig. Deshalb war ich umso faszinierter, als mir Accra dann entgegenfunkelte. Es sah unglaublich schön aus.
Und dann hieß es: ,Akwaaba!' (Willkommen)

Eric und Bright (die Gründer der Cheerful Hearts Foundation) holten mich vom Flughafen ab und brachten mich zum ,Volunteer-House'. Die neuen Eindrücke waren überwältigend.
Ghana ist nicht wie Deutschland. Ich mag es total!
Überall sind Menschen auf den Straßen unterwegs. Alle sind extrem hilfsbereit und freundlich, alle lachen viel und freuen sich. Und das alles obwohl Häuser wie Autos sehr alt und nicht sonderlich luxuriös sind. Es ist staubig hier und die Luft in Accra und Kasoa auf den Straßen ist sehr schmutzig wegen der Abgase.
Sobald man auf Menschen trifft, lachen sie einem entgegen. Die Kinder finden uns unheimlich aufregend und rufen immer ,Obroni!' (Weiße!) und winken und freuen sich, wenn man zurückwinkt oder ,?t? sen!?' [ätä sän] (Hallo, wie geht's?) zurückruft.
Dass alle so offen und herzlich sind zeigt nur wieder, dass Wohlstand nicht unbedingt glücklich macht und andersherum vermeintliche Armut keine Armut im sozialen und seelischen Sinne ist.

Die anderen Freiwilligen sind aus den USA und aus Großbritannien.
An diesem Wochenende hatten sie einen Ausflug in die Voltaregion geplant und ich bin kurzerhand mitgekommen. Das war der beste Ghana-Crashkurs, den ich überhaupt haben konnte.

Grundlegendes über Ghana:
Ich habe bis jetzt keinen Ghanaer getroffen, der nicht freundlich und hilfsbereit war. Sie sind sehr an der Kultur anderer Länder interessiert und finden es unheimlich interessant, sich mit einem zu unterhalten. Sie beschützen einen sogar. Tro-Tro- und Taxifahrer versuchen oft, Ausländern zu viel Geld für eine Fahrt zu berechnen. Meist greifen andere Insassen des Tro-Tros dann ein und beschweren sich, dass es nicht fair sei.
Da alle so lieb sind bleibt einem gar nichts anderes übrig als selbst total zuvorkommend zu sein. Man entschuldigt sich ständig. Wenn jemandem etwas auf den Boden fällt und man damit gar nichts zu tun hat, dann entschuldigt man sich dennoch ganz ausführlich.
Man begegnet sich hier sowieso ganz anders. In Deutschland im Bus zum Beispiel versucht man doch immer bloß so wenig wie möglich mit anderen in Kontakt zu kommen, aber hier kommt man ganz ungezwungen ins Gespräch, lacht über irgendetwas und daher scheinen alle viel mehr verbunden zu sein.
Es freut die Ghanaer ungemein wenn man versucht, Twi [Tschui] zu sprechen. Deshalb versuche ich meine paar Floskeln so oft wie möglich zu verwenden.
Was ich noch sagen wollte: Es ist ziemlich ungefährlich, alleine durch die Gegend zu laufen. Natürlich sollte man nicht unbedingt an Touri-Stränden mit Geld winkend entlangschlendern. Wenn man Touristen-Gegenden meidet, dann ist es sogar nachts kaum ein Problem, sich allein fortzubewegen wenn man die Gegend kennt, da die meisten Ghanaer so ,protective' sind.

Was wäre Ghana ohne Tro-Tros?
Tro-Tros sind Kleintransporter, die umgebaut wurden, sodass es 4-5 Sitzbänke gibt auf denen je 3-5 Menschen Platz haben. Es wird also gelegentlich wirklich eng.
Sie sind neben Taxis das gängige Verkehrsmittel hier. Ein Tro-Tro fährt meist erst los, wenn es voll oder beinahe voll besetzt ist - quasi eine Spontan-Mitfahrgelegenheit. Sind noch Plätze frei, fährt der Fahrer hupend am Straßenrand entlang bis jemand einsteigt.
Man ruft dem Driver einfach zu, wenn man aussteigen will. Meist sind es kurze Strecken, die man mit diesem Kleinbus zurücklegt, für die man dann Beträge im Centbereich bezahlt. Deshalb heißen sie auch Tro-Tro.
Das Wort Tro an sich bedeutet nämlich ,klein' in Bezug auf Geldbeträge. Wenn man in der Sprache Twi etwas steigern möchte, dann sagt man es doppelt. Tro-Tro heißt also sehr klein.
Da Tro-Tros zwar extrem rasen aber aufgrund des ständigen Anhaltens dennoch sehr langsam vorankommen kamen wir erst nachts an unserem Motel mitten im Regenwald in der Voltaregion an. (Die Voltaregion ist geprägt von dem weltweit größten Stausee, dem ,Lake Volta', und ist im Osten Ghanas an der Grenze zu Togo.)

Am nächsten Morgen sahen wir dann die herrliche Aussicht auf den ,Wli-fall', welcher der höchste Wasserfall Westafrikas, nicht aber der mächtigste ist. Nach einer fast 3-stündigen Kletter-Wanderung durch den Regenwald erreichten wir ihn dann.
Das kann man sich gar nicht vorstellen! Wenn man am Fuße des Wasserfalls steht, dann hat man eine solche Ehrfurcht vor der Natur und man ist völlig überwältigt. Da es ungefährlich ist darf man sogar direkt unter den Wasserfall gehen . das ließen wir uns natürlich nicht nehmen, da wir nach der Wanderung alle eine kleine Abkühlung brauchten.
Am Sonntag wanderten wir zu den ,Caves' (Höhlen), in denen vor tausenden Jahren Menschen gelebt haben. Es war unheimlich interessant.
Die anderen Freiwilligen waren sehr beeindruckt von dem ,German Hiking-Girl' (dem deutschen Wandermädchen), weil ich ja gerade erst gelandet war und dennoch alle Wanderungen mitgemacht habe und dann nicht einmal Muskelkater hatte als wir wieder in Kasoa waren.

Am Montag (3.9.) ging mein Freiwilligendienst dann richtig los.
Eric nahm mich mit ins Büro der ,Ceerful Hearts Foundation' wo ein Meeting zur zukünftigen Arbeit gegen Kinderarbeit stattfand.
Es wurde gebrainstormt, was verbesserungswürdig ist, was zusätzlich beachtet werden sollte, wie man intensiver Öffentlichkeitsarbeit leisten kann u.v.m.. Auch wenn ich weniger an diesem Projekt mitarbeiten werde war es sehr wichtig für mich, über Fragen nachzudenken, wie:
Warum brauchen die Fischer gerade Kinder? Bezahlen müssen sie diese immerhin auch. Warum nehmen sie also nicht viel leistungsfähigere Erwachsene?
Mit wie vielen Kindern wird schwarz gehandelt?
Wie viele Kinder sterben im Jahr aufgrund ihrer Arbeit und des Schwarzhandels?
Wie kann man Eltern am besten überzeugen, dass es viel effektiver ist, Kinder in die Schule zu schicken?
Was hat die CHF schon geschafft? Wie viele Kinder hat die CHF schon aus der Kinderarbeit befreit? Wie können wir noch mehr Kindern helfen? Wie können wir dies alles finanzieren?
Darüber nachzudenken und eine Antwort zu finden oder auch keine Lösung zu finden hat bewirkt, dass ich mich mit den verschiedenen Perspektiven auseinandergesetzt habe. Ich denke, dass ich auf einem ganz guten Weg bin, die Zusammenhänge und Hintergründe der Problematik zu verstehen.

Am selben Tag hatte ich auch meine ,Teaching-Orientation', also eine Hilfe bezüglich des Lehrerdaseins in Ghana.
Da Eric selbst Schulleiter ist und unterrichtet konnte er mir viele hilfreiche Tipps geben. Schule in Ghana ist nämlich etwas ganz anderes als in Deutschland.

Meine ersten Tage an der ,Maranatha Preparatory School':
An der Hauptstraße von Kasoa, relativ versteckt, steht die Maranatha Preparatory Schule. Es sind vier ebenerdige blau-weiß gestrichene Häuser mit einem kleinen Innenhof.
Zunächst stellte Eric mich dem Schulleiter vor und ich wurde gleich ganz herzlich willkommen geheißen.
In Ghana ist es so, dass Kollegen einen wie ein Familienmitglied aufnehmen, sodass mir der Schulleiter gleich sagte, dass er jetzt quasi mein ghanaischer Vater sei und dass ich mich ganz wie zu Hause fühlen solle. Sowieso ist alles total familiär hier.
Als ich herumgeführt wurde, lachten mich alle Kinder ganz neugierig an und winkten (die Klassenräume sind nämlich halb offen, sodass man immer hineinschauen kann). Als dann die Pausenklingel ertönte, kamen alle Kinder auf den Hof und rannten sofort ,Obruni, Obruni!' rufend auf mich zu, umarmten ich und wollten meine Haut und meine hellen Haare anfassen und fanden es extrem cool, eine weitere ,Obruni' an ihrer Schule zu haben. Es gibt nämlich noch eine Praktikantin aus Deutschland dort, die mir ein bisschen über ihre bisherige Zeit dort erzählen konnte.
Weil die Kids die ,Obrunis' so spannend finden ist es unheimlich schwierig, als Lehrer ernst genommen zu werden und die Klasse ruhig zu halten. Immer kommen Mädchen und möchten mir die Haare flechten oder Kinder kommen und möchten meine Hand halten oder auf meinem Schoß sitzen.
Momentan hospitiere ich noch in den Klassen. Ich kann mir derzeit noch nicht richtig vorstellen, wie ich die Kinder ruhig halten soll. Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.
Es macht auf jeden Fall extrem viel Spaß, in der Schule zu sein aber ich bin jeden Abend auch ziemlich müde, weil es so anstrengend ist. Die Kinder streiten sich teilweise regelrecht um mich und meine Sachen.
Gestern wollte ich zum Beispiel nur kurz ein Foto machen und sofort waren gefühlt 100 Kinder um mich, die mich alle baten: ,Madam, please let me take just one picture!' (Lassen Sie mich bitte nur ein einziges Bild machen!)
Als ich Ihnen erklärt hatte, welchen Knopf sie drücken mussten, fing das Diskutieren dann an. Wer wann wie viele Fotos machen darf und ich musste wirklich um meine Kamera etwas bangen, da sie ungeduldig hin- und hergerissen wurde.
Heute hatte ich meine Ukulele dabei. Für sie galt das gleiche. Sie war Kultobjekt Nummer 1.
Es ist richtig süß, wie sich die Kinder über Neues freuen.
Sie wollten dann auch unbedingt einen Song mit der Ukulele singen und mir fiel kein besserer ein als der ,Little Robot Song'. Den fanden die Kinder unglaublich cool sodass ich den ganzen Tag singen musste oder zeigen sollte, wie man Ukulele spielt. Das hat total viel Spaß gemacht.

Mit der Zeit gewöhne ich mich immer mehr an den ghanaischen Englischakzent. Anfangs hatte ich damit ein wenig zu kämpfen aber es wird von Tag zu Tag einfacher.

Alles ist ganz neu für mich, aber absolut nicht negativ.
Ich mag die Atmosphäre ganz und gar.

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick in mein Leben und meine Arbeit hier geben konnte!
Bei Fragen können Sie/könnt ihr mich gerne immer anschreiben und ich versuche dann so schnell wie möglich zu antworten.
Ich habe so viel zu tun, dass immer ganz wenig Zeit bleibt. Dennoch gebe ich mir größte Mühe, regelmäßig zu schreiben!!!

Ganz liebe Grüße!
Katharina